DeLonghi ESAM 04.110.s
DeLonghi ESAM 04.110.s

Vom Filterkaffee über Senseo und Tassimo hin zum Kaffee-Vollautomaten, eine wohl sehr klassische Entwicklungsgeschichte in Sachen Kaffeegenuss. Und genau so stellt sich das bei uns jetzt auch dar, seit knapp zwei Wochen hat sie ihren Stammplatz in unserer Küche: Eine DeLonghi ESAM 04.110.s Magnifica.

Ein klassischer Kaffeevollautomat mit Heißwasser-/Dampfdüse und ohne viel Schnickschnack; Wasser- und Kaffeemenge stufenlos per Drehregler einstellbar, kein unnützes Display mit wenigen, voreingestelllten Mengen. Im inneren ein Kegelmahlwerk, dessen Mahlgrad sich ebenfalls verstellen lässt.

Last but not least ist die Brühgruppe komplett herausnehmbar und kann unter fliessendem Wasser gereinigt werden – soweit die Theorie und die Infos laut Datenblatt. Aber was kann die Maschine wirklich?

Zuallererst: Die Maschine ist ein Wachmacher, denn auch wenn das S in ESAM für „Silent“ steht, so bezieht sich das nur auf das Mahlwerk und dessen Lautstärke geht auch absolut in Ordnung. Die anderen Komponenten, die an der Entstehung von frischem Kaffee beteiligt sind, machen hingegen sehr deutlich auf sich aufmerksam, zudem scheppert die Edelstahl-Abdeckung der Auffangschale schön im Takt mit.

Das war mir natürlich vor dem Kauf klar, die allwissende Müllhalde weiß über die Lärmentwicklung solcher Maschinen ja einiges zu berichten, und ist auch kein Kritikpunkt. Vielmehr soll es als Hinweis verstanden werden: Ein Vollautomat wird bei der Kaffeezubereitung immer lauter sein wie eine Pad- oder Kapsel-Maschine. Die Belohnung dafür ist deutlich besserer und heisserer Kaffee, da kommt kein Pad-/Kapsel-System mit (nein, auch keine Nespresso).

Wie bei solchen Maschinen üblich, erfordert es am Anfang viel Geduld, bis die optimale Einstellung in punkto Wassermenge, Kaffeestärke und Mahlgrad gefunden ist, zumal sich die Maschine erst mal „einpendeln“ muss, was gern mal fünf bis zehn Kaffeezubereitungen dauert; während dieser Zeit variieren insbesondere Mahlgrad und Wassermenge teils deutlich (gemessen am Füllstand der Tasse bei zwei Zubereitungen ohne Änderung der Einstellungen und der Konsistenz dessen, was im Tresterbehälter landet).

Es gibt zig Bücher mit Tipps & Tricks zum Umgang und zur optimalen Einstellung und im Netz wird die richtige Kaffeezubereitung zur einer Art Religion erhoben; in einem der (vielen) Foren zum Thema bekommen sich Leute wegen der ausgewählten Bohnensorte virtuell so richtig in die Haare. Soweit will ich gar nicht gehen, für mich muss die Maschine eines beherrschen: Morgens stressfrei eine Tasse heissen, leckeren Kaffee zubereiten. Jeden Morgen. Und wenn ich abends nach Hause komme, muss noch ein Espresso drin sein. Taugt die Maschine dafür?

Ja. Ganz klares Ja. Mit ~15 bar erzeugt die Maschine ausreichend Druck, um damit auch guten Espresso herzustellen (dass sie guten Kaffee herstellt, dürfte klar sein). Das klappt, wenn man die „richtigen“ Bohnen nimmt und Mahlgrad, Wasser- und Kaffeemenge entsprechend einstellt, erstaunlich gut. Die Definition von „richtig“ ist hier das entscheidende, denn das ist immer eine subjektive Einschätzung: Ich habe für die ersten Gehversuche mild geröstete Bohnen eines italienischen Herstellers in die Maschine gefüllt und muss nun für eine große Tasse Kaffee die Kaffeestärke fast auf Maximum drehen und den Zwei-Tassen-Bezug nehmen, damit mir der Kaffee schmeckt. Espresso klappt damit auch, aber der könnte tatsächlich etwas kräftiger ausfallen.

Die nächste Befüllung der Maschine wird dann also eher mit „stärkeren“ Bohnen erfolgen, spezielle Espresso-Bohnen lassen sich auch viel feiner mahlen und entfalten ein ganz anderes Aroma – wie mir von Freunden zugetragen wurde, die schon länger einen Vollautomaten ihr Eigen nennen. Und für normalen Kaffee lässt sich ja die Kaffeemenge ja bei der Zubereitung entsprechend weit runterdrehen. Es wird also noch eine Zeit dauern, bis ich die „richtige“ Bohne auch für mich gefunden habe… ;-)

Ein kurzes Fazit: Die Anschaffungskosten sind natürlich höher als bei Pad-/Kapselsystemen; je nach Maschine und Typ kann die Differenz da seeeehr deutlich ausfallen. Dafür liegt der Kilopreis für Kapsel-Kaffee bei 50,- Euro und mehr, Tendenz eher steigend – eine „Amortisierung“ erfolgt also im Laufe der Jahre durch vermehrten Kaffeekonsum, denn die Bohnen sind natürlich deutlich günstiger zu haben. Wobei man auch hier für exquisite Mischungen/Röstungen gern mal 20,- Euro und mehr pro Kilo hinlegen kann.

Wenn ich nun mal die letzen Jahre mit der Anschaffung + Reparaturkosten einer Senseo sowie Anschaffung und Betriebskosten einer Tassimo (regelmässiger Tausch des Wasserfilters) an mir vorbeiziehen lasse, hätte ich die Maschine auch schon damals kaufen können und hätte seitdem Geld sparen und die Umwelt entlasten können – den Inhalt des Tresterbehälters kann ich einfach in den Kompost ausleeren oder in der Biotonne entsorgen, ganz ohne Plastikrückstände. Wenn ich mir weiter überlege, dass gerade die Tassimo immer mal wieder Probleme bei der Zubereitung hatte, ärgert es mich irgendwie, nicht schon vor Jahren zu einer solchen Maschine gegriffen zu haben. Aber es ist ja nie zu spät und ab jetzt wird alles gut…

P.S.:
Meine Filtermaschine hab‘ ich natürlich behalten – soll ja Situationen geben, in denen Kaffee kannenweise gebraucht wird. ;-)

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